Mittwoch, 9. Januar 2008

Süddeutsche!

In der Süddeutschen Zeitung ist am 25.12.2007 ein Bericht erschienen mit der Überschrift „Zu Fuß nach Bethlehem“, bei dem es um unsere Wanderung von der Erlöserkirche nach Bethlehem ging in der Nacht vom 24ten auf den 25ten Dezember. Habe schon vorher davon gehört, dass es einen gab aber erst jetzt danach gesucht. Da haben sich wohl zwei Maulwürfe unter uns versteckt, denn es wusste keiner, dass welche von der Presse mitgewandert ist. Wie in dem Bericht beschrieben, ist unter anderem auch ein Stuttgarter Mädchen aus einem muslimischen Elternhaus mitgewandert. Wenn die Eltern diesen Bericht lesen sollten, was bisher noch nicht passiert ist, gibt es wohl für sie richtig Ärger zu Hause. Zumal sie auch noch namentlich erwähnt wurde.

Hier ist der Link, Bilder gibt es da auch:

http://www.sueddeutsche.de/panorama/artikel/127/149763/


25.12.2007 16:30 Uhr
Weihnachten im Heiligen Land: Zu Fuß nach Bethlehem
Dosenbier, Scharfschützen und ein kleines Wunder: Wer an Weihnachten von Jerusalem nach Bethlehem pilgert, wandert von einer Welt in die nächste – und lernt die traurige Realität des Nahost-Konfliktes kennen.

Von Johannes Honsell und Oliver Das Gupta

Dienstag, 8. Januar 2008

Notstromaggregat!

Vor etlichen Wochen habe ich ja mal ein Notstromaggregat in Betrieb genommen, welches unten beim Trappistenkloster steht und uns Strom liefern soll, wenn dieser mal ausfallen sollte, was wohl ab und an vorkommen soll. Das wäre natürlich schlecht, wenn wir Gäste hätten und man sich dann noch nicht einmal warm duschen kann. Aus diesem Grund haben wir uns für eine Zeit autark machen können, Sowohl von der Stromversorgung als auch von der Wasserversorgung durch den 6000 Liter Tank. In diesen fließt immer wieder frisches Trinkwasser, sodass das Wasser nicht stehen und schlecht werden kann. Also muss man sich darum nicht kümmern. Nur das Notstromaggregat muss einmal im Monat gestartet werden um zu überprüfen, ob die Batterien noch voll sind und um den Motor und dessen Betriebsmittel einfach mal wieder warmlaufen zu lassen und zu überprüfen, ob im Ernstfall alles einwandfrei funktionieren würde. Nachdem ich das Aggregat gestartet habe, wobei ich erwähnen muss, dass es das zweite Mal seit Inbetriebnahme einwandfrei ansprang, was mich wirklich gewundert hat, schaltete ich die Stromversorgung ab und den Generator zu. Eigentlich hätte dieser sofort Strom liefern müssen. Tat er aber leider nicht. So blieb nichts anderes übrig als ein wenig mit dem Spannungsmesser zu messen. Leider ohne Ergebnis. Da am Schaltschrank eine relativ neue Verpackung eines Leistungsschalters lag, die aber ohne Inhalt war, gehen wir davon aus, dass die Trappisten eventuell am Schaltschrank gearbeitet haben. Das wird jetzt gerade geklärt.
Die Bilder die ihr seht, sind von der ersten Inbetriebnahme. Es ist nicht wirklich hier so warm, dass ich zurzeit mit T-Shirt und kurzer Hose rumlaufen könnte. Das Gegenteil ist der Fall. Heute hat es sich richtig schön eingeregnet und das soll wohl auch die nächsten Tage so bleiben. Hoffentlich wird es bis Samstag besser, da geht es auf die große Volontärs-Wanderung nach Sodom und Gomorra am Toten Meer mit anschließendem Bad in jenem welchem.

Wanderung auf der Altstadtmauer!

So, nachdem ich mein Flickr-Problem, was das Hochladen der Bilder angeht gelöst habe, kann nun auch dieser Post hochgeladen werden. Letzten Sonntag waren der Felix und der Torben und ich mal auf der Jerusalemer Altstadtmauer. Das wollte ich ja schon immer mal machen. Los geht es beim Jaffator. Leider kann man nicht einmal rum herum laufen, da der Felsendom im Weg ist auf dem Tempelberg. Auf diesem Abschnitt darf man nicht laufen. So geht es von der Seite, von der wir gekommen sind nur bis zum Löwentor und auf der anderen Strecke nur bis zum Zionstor. Da es zu viele Bilder sind, habe ich sie nicht beschriftet, aber sie werden hinter einander angezeigt.
Ach ja, bevor ich es vergesse. Keiner von uns Dreien hat einen Ausweis, der ihn als Volontär oder Zivildienstleistender ausweist. Jetzt ratet mal, wer keinen ermäßigten Eintritt bekommen hat, nach der mündlichen Aussage, doch Volontär zu sein. Genau, meine Wenigkeit. Gut, 16 Schekel sind nicht die Welt, aber ich hätte auch gerne nur 8 Schekel wie die anderen Beiden bezahlt. Da half auch kein trauriger Hundblick. Wird wohl Zeit, das der Bart ab kommt (oder zumindest gestutzt wird).

Samstag, 5. Januar 2008

Kibbuz Sheluhot!

Eine kleine Nachberichterstattung von unserem Latruner Ausflug vom 03.01.2008. An diesem Tag waren wir im orthodoxen Kibbuz Sheluhot (ausgesprochen Schluchot) in der Jordanebene. Wir sind Richtung Totes Meer gefahren und dann parallel am Jordan entlang, der ja auch die Grenze zu Jordanien bildet, nach Norden bis knapp zum See Genezareth. Dort haben uns zwei ältere Herren, der Shlomo und der Uri (beides sind Deutsche, die die Shoa, also den Holocaust, überlebt haben), ein wenig von sich und der Arbeit im Kibbuz erzählt. Dieses Kibbuz ist eines der ältesten in ganz Israel. Es entstand noch vor der Entstehung des Staates Israels und beide waren von Anfang an dabei. Der Uri ist Spezialist was Dattelpalmen angeht. Zurzeit gibt es einen Käfer, der Weltweit Dattelpalmen kaputt macht. Seine Larven fressen den Baum von innen her so sehr kaputt, dass diese umfallen. Auf Grund dessen, reist er unter anderem nach Jordanien, Ägypten aber auch in andere Staaten, die überwiegend muslimisch geprägt sind. Für ihn als Jude ist das seine Art von Versöhnungsarbeit. Das es auch hier im Land gefährlich ist, hat er uns durch einen Mord im Kibbuz vor Augen geführt. Er und ein anderer jüdischer Kollege, waren vor ein paar Wochen in den Dattelpalmen-Feldern. Uri musste noch was holen und ließ in dort auf sich warten. Als er wieder kam, war er verschwunden und es wurde nach ihm gesucht. Man fand in einige Zeit später erstochen zwischen den Palmen liegen. Es hat sich heraus gestellt, das ein Palästinenser (es werden häufig Palästinenser für landwirtschaftliche Tätigkeiten eingesetzt, ähnlich wie bei uns die polnischen Spargelstecher), der schon seit Jahren dort Traktor fährt, ihn erstochen hat. Weiter stellte sich heraus, dass er dies getan hat, weil andere Palästinenser ihn bedroht haben, sonst seine Familie umzubringen. Dies soll wohl kein Einzelfall solch einer Erpressung gewesen sein. Anschließend waren wir bei seiner Frau, einer Malerin und haben uns ihre Bilder angeschaut und erklären lassen. Sie arbeitet überwiegend mit Themen aus der Tora. Ein Hauptthema war es dem Buch Ester. Shlomo hat und dann zu ihrer Kantine geführt und wir haben dort zu Mittag gegessen. Es leben ein wenig mehr als 300 Menschen in diesem Kibbuz. Danach ging es in ihre Synagoge und anschließend in die Bibliothek, die sich direkt nebenan befindet. Dort hat er uns ein wenig über die unterschiedlichen Kalender erzählt (julianischer Kalender, gregorianischer Kalender, Mondkalender, Sonnenkalender). Wo wir alle vier Jahre ein Schaltjahr haben und einen Tag, also den 29ten Februar einfügen, fügen die Israelis in ihren Mondkalender alle zwei Jahre gleich einen ganzen Monat ein. Das tun sie, damit ihre Feiertage immer ungefähr in der gleichen Jahreszeit liegen. Da machen es die Araber wieder ganz anders, die haben zwar auch einen Mondkalender, aber die fügen keinen Tag oder Monat ein. So kann derselbe Feiertag in einem Jahr im Winter liegen und in einem anderen Jahr im Sommer.
Überwiegend besteht das Kibbuz aus Landwirtschaftlichen Betriebe. Aber um in schwierigen Zeiten ein weiteres festes Standbein zu haben, haben sie sich auf die Produktion von Mikrofilmen und deren Lesemaschinen spezialisiert. Deren Firma heißt Micro-Vue.
Auf der Rückfahrt haben wir noch in der Nähe von Jericho am Jordan bei einer Kirche angehalten und es gab Kaffee und Kuchen. War zwar nicht zu vergleichen wie die Treffen mit den Jungs, aber war auch sehr nett :-)

Freitag, 4. Januar 2008

Visa-Verlängerung!

Seit dem 30.12. bin ich schon illegal im Land, denn an diesem Tag ist mein Touristenvisa abgelaufen. Meinen Antrag für eine Verlängerung von neun Monaten, habe ich mit einem Passfoto rechtzeitig bei der Erlöserkirche abgegeben, da diese sich um die Visa kümmern. Man braucht hier wohl eine christliche Trägerschaft, um länger im Land bleiben zu dürfen. Na auf jeden Fall kümmert sich der Emil von der Erlöserkirche darum. Er meinte auch, dies sei kein Problem, da er schon einen Termin im Innenministerium am 9.1. für meine Verlängerung hat. So habe ich letzte Woche meinen abgelaufenen Reisepass und 250 Schekel in der Erlöserkirche abgegeben. 100 Schekel Bearbeitungsgebühr für die Kirche, 100 Schekel für das Innenministerium und 50 Schekel für das Re-Entree, damit ich auch nach Ägypten und Jordanien kann. Ansonsten würde mein Visa bei Grenzübertritt ins Ausland erlöschen und ausgestempelt werden und ich bekäme bei Wiedereinreise wieder nur ein ein- bis dreimonatiges Touristenvisa. Gestern rief mich der Emil dann noch einmal an und fragte mich, ob er mir gesagt hätte, dass ich noch ein Gesundheitszeugnis bräuchte. Leider hat er das nicht getan. War aber auch nicht schlimm, so habe ich nach dem Christus-Treff von gestern auf heute im Jo-Ho, wo es übrigens um die Qumran-Rollen ging und den anschließend aufkommenden Verschwörungstheorien, übernachtet und bin nach der Morgenandacht und dem Frühstück zur Erlöserkirche gegangen. Dort habe ich mich mit dem Emil getroffen, der mich zum griechisch-orthodoxen Patriarchat gebracht hat, wo sich eine eigene Arztpraxis befindet. Dort habe ich noch einmal 100 Schekel bezahlt für das Gesundheitszeugnis, nachdem mich ein sehr netter Arzt kurz abgehört und mich gefragt hat, ob ich irgendwelche Krankheiten hätte. Da bei Ersterem das Ergebnis gut war und ich Zweiteres verneinen konnte, habe ich auch gleich das Dokument bekommen und dem Emil gegeben. So steht einer Verlängerung eigentlich nichts mehr im Wege. Danach ging es wieder mit dem Bus nach Latrun, wo ich pünktlich zum Mittagessen ankam.

Dienstag, 1. Januar 2008

Sylvester!

Eigentlich wollte ich allen um Mitternacht eine SMS aus Jerusalem schicken, auch wenn bei euch noch eine Stunde zu warten war. Leider habe ich dabei erst gemerkt, dass mein Adressbuch auf meiner SIM-Karte von E-Plus gespeichert, war und nicht im Handy. Und da ich nicht einmal meine eigene Orange-Handynummer hier in Israel auswendig kenne, hat sich das mit den Nummern merken der anderen auch erledigt.

Um ehrlich zu sein, habe ich erst am 31ten um 18.00 Uhr gewusst, wie, wo und mit wem ich rein feiern werde. War doch nicht so einfach was zu finden, denn eigenartigerweise haben viele Besuch aus der Heimat an Sylvester bekommen und nicht über die Weihnachtstage. Da Felix und ich keinen Besuch bekommen haben, stand für uns schon einmal fest, dass wir zusammen was machen werden. So hat Felix den Theologiestudenten Helge angerufen und schon hatten wir einen Ort. Nach dem Gottesdienst in der Erlöserkirche sind wir alle dann zum Helge gegangen. Wir waren insgesamt ca. zehn Personen. Weil eigentlich jeder nur einen Teil der Anwesenden kannte, haben wir uns bei Essen und Trinken kurz Vorgestellt und bis etwa halb zwölf geplaudert. Dann ging es los zur Montefiore-Windmühle, wovon man aus einen guten Ausblick zur Altstadt hat, um sich das kleine Feuerwerk anzuschauen. Danach sind die anderen abgehauen und wir sind zu viert in die Ben-Yehuda-Street. Hätte nicht gedacht, dass so viele Israelis Sylvester feiern, die haben schließlich einen Mond-Kalender. Wir waren in zwei Clubs und haben was getrunken und getanzt. War ein schöner Abend. Um fünf lag ich im Bett und habe mich mit einem der Brüder beim Gottesdienst um 10:30 Uhr in der Erlöserkirche getroffen. Mit ihm habe ich dann noch ein paar Erledigungen in Jerusalem gemacht. Unter anderem waren wir beim Jerusalemer VW-„Autohaus“. Man, man, man. Das war eher eine private Reparaturwerkstatt als ein Autohaus. In dem Industrieviertel waren alle größeren Automobilhersteller vertreten. Aber keines sah so runter gekommen aus wie das von VW. Das war in einer Tiefgarage unter einem Gebäude. Bei unserem T4 ist eine Türdichtung kaputt, die wir neu kaufen wollten. Die soll 80 Euro kosten und in drei Wochen aus Deutschland ankommen. Ich habe vorgeschlagen wir sollten mal zu Schrottplätzen fahren und uns da eine besorgen. Mal schauen was daraus wird. Abends haben wir Latruner dann zusammen Raclette gegessen.

Status Quo!

Ein kleiner Nachtrag zur Grabeskirche: Der „Status Quo“.
Als wir bei der Grabeskirche waren, haben sich zwei Geburtstagsgäste über eine Leiter unterhalten, die über dem Eingang der Grabeskirche steht. Gudio Baltes, der Leiter des Johaniter-Hospizes, weiß einiges über die Grabeskirche, und hat mir vom Status Quo erzählt.

Durch die ewigen Streitereien zwischen den verschiedenen Konfessionen, die sich die Grabeskirche teilen, entschloss man sich Mitte des 19. Jahrhunderts, diesem ein Ende zu bereiten. Folgendes wurde festgelegt: Die Verhältnisse (Status) an den heiligen Stätten bleiben so, wie (quo) sie sind.

Zu diesem Zeitpunkt wurde durch Baumaßnahmen das Betreten der Grabeskirche für eine Konfession nicht möglich, da deren Mitglieder sonst durch den Teil einer anderen Konfession hätten gehen müssen. So sind ein Teil der Mitglieder in ihrem Teil der Grabeskirche geblieben. Problem: Wie bekommen sie Essen und Trinken von den anderen Mitgliedern, die draußen geblieben sind? Lösung: Eine Leiter wurde über dem Eingang der Grabeskirche aufgestellt, die an einem Fenster endet, durch das die in der Kirche gebliebenen Mitglieder versorgt worden sind. Zu dieser Zeit entstand der Status Quo. Dieser besagt unter anderem, dass nichts an der Kirche bautechnisch geändert oder entfernt werden darf. So steht also diese Leiter immer noch über dem Eingang und endet an einem verschlossenen Fenster. Nur ab und zu wird sie erneuert bzw. repariert. Von solchen Kuriositäten soll es noch einige Andere geben.